Nicht erschrecken!

Zwar liegt der Schwerpunkt meiner künstlerischen Arbeit auf den fragilen, lichtdurchlässigen Skulpturen, aber ab und zu macht es mir auch Spaß, ganz traditionelle Bildhauerarbeiten zu machen.

Den Löwen auf dem Foto hatte ich für meine Mutter, die sich für ihren Garten einen „bayerischen“ Löwen wünschte geschaffen. In ihrem Vorgarten erschreckte er die Postboten und auch den einen oder anderen Besucher.

Seit dem Tod meiner Mutter vor zwei Jahren ziert er nun seit diesem Jahr den Skulpturengarten von La Rogaia.

Meine Frau hatte zunächst die Befürchtung, dass er vielleicht auch hier jemand erschrecken könnte, wenn er so unvermittelt aus dem Schatten der Bäume auftauchen würde. Bisher war das aber wohl nicht der Fall.

Vielleicht sollte ich ja mal einen brüllenden Löwen in Lebensgröße machen...

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Kommentar von Claudia wieninger |

Hallo Wolfgang, da hast du einen netten Kerl für deine Mama geschaffen und hast jetzt eine schöne Erinnerung an sie.

Was sagt der Fuchs dazu? Hoffe euch geht's gut.


Liebe Grüße an alle.
Claudia

Antwort von Wolfgang Sandt

Liebe Claudia,

erstmal vielen Dank für Deine Grüße, die ich getreulich weiterleiten werde.

Soweit ich das beurteilen kann, lässt den Fuchs, beziehungsweise die Füchse, der Löwe weitgehend kalt.

Vielleicht kennen sie aber auch die Fabel und halten sich ganz bewusst von ihm fern : -)

 

Der alte Löwe und der Fuchs

Ein alter Löwe lag schwach und erschöpft in seiner Höhle und war nicht mehr fähig, selbst auf die Jagd zu gehen.

Er ahnte schon seinen kommenden Tod.

In seiner Not ließ er in seinem Reich die Botschaft von seinem nahen Tode verbreiten und befahl allen Untertanen, an den königlichen Hof zu kommen, weil er sich von allen Tieren persönlich verabschieden wolle.

Nacheinander erschienen die Tiere vor der Höhle des Löwen, und der König der Tiere rief jeden zu sich. Mit kleinen Geschenken gingen sie einzeln zu ihm hinein, denn sie erhofften sich alle einen großen Vorteil davon.

Ein schlauer und gerissener Fuchs hatte eine Weile in der Nähe der Höhle verbracht und das Kommen der vielen Tiere beobachtet.

„Seltsam", dachte er, „alle Tiere gehen in die Höhle hinein, aber niemand kehrt daraus wieder zurück.

Die Burg des Königs ist zwar geräumig, aber so groß ist sie doch auch nicht, dass alle Untertanen darin Platz finden können. Eigentlich müsste sie schon lange überfüllt sein!"

Vorsichtig trat der Fuchs vor den Eingang und rief höflich: „Herr König, ich wünsche Euch ewige Gesundheit und einen guten Abend!"

„Fuchs, du Rotpelz, du kommst aber sehr spät", ächzte der Löwe, als läge er wirklich schon in den letzten Zügen, "hättest du noch einen Tag länger gezögert, so wärst du nur noch einem toten König begegnet. Sei mir aber trotzdem herzlich willkommen und erleichtere mir meine letzten Stunden mit deinen heitern Geschichten."

„Seid Ihr denn allein?" erkundigte der Fuchs sich mit gespieltem Erstaunen.

Der Löwe antwortete grimmig: „Bisher kamen schon einige meiner Untertanen, aber sie haben mich alle gelangweilt, darum habe ich sie wieder fortgeschickt. Du jedoch bist lustig und immer voll pfiffiger Ideen. Tritt also näher, ich befehle es dir!"

„Edler König", sprach der Fuchs demütig, „Ihr gebt mir ein schweres Rätsel auf. Unzählige Spuren im Sand führen in Eure Burg hinein, aber keine einzige Spur führt wieder heraus, und Eure Festung hat ja offensichtlich nur einen Eingang. Mein Gebieter, Ihr seid mir zu klug.

Ich will Euch nicht mit meiner Dummheit beleidigen und lieber wieder fortgehen. Eines aber will ich für Euch tun, ich werde dieses Rätsel für mich behalten."

Der schlaue Fuchs verabschiedete sich und ließ den Löwen allein.

Nach Äsop