Vom Steinblock zur Skulptur - noch ein Einblick in meine Werkstatt

Palladio Villa, La Rotonda

Im Sommer erhielt ich den Auftrag, eine große Skulptur eines schaukelnden Hauses anzufertigen.

Die Skulptur sollte aus "Pietra di Palladio" gemacht werden, dem Stein aus dem auch alle Palladio Villen im Veneto errichtet wurden.

Ich bestellte also einen Rohblock in der gewünschten Größe, bei einem Steinwerk im Veneto, welches ich schon seit vielen Jahren kenne, seitdem ich dort an einem Bildhauer-Symposium teilgenommen hatte.

 

Diesen Block mit einem Gewicht von gut 220 kg holte ich direkt im Steinwerk ab, wobei ich gleichzeitig die Gelegenheit zu einem Besuch der Steinmesse im nahegelegenen Verona nutzte.

Beim Ausladen

Zurück in der Werkstatt ging es zunächst ans Ausladen auf meinen speziellen Steintransportkarren.

Kein ganz leichtes Unterfangen, aber mit der Hilfe von hözernen Rollen, ganz archaisch, gelang dies ohne größere Probleme.

Jetzt habe ich den Block auf dem Karren.

Die erste Aufgabe besteht darin, die Winkel zu prüfen. Auch wenn der Block theoretisch im rechten Winkel zugeschnitten sein müsste, stimmen diese oft nicht ganz genau.

Bei einer Skulptur mit einer klaren, geometrischen Form kann das beim Aufzeichnen zu Fehlern führen, wenn man es nicht rechtzeitig bemerkt.

Bei Steinmetzens gilt: Je genauer man vorher misst, desto weniger Ärger hat man hinterher.

Hier habe ich bereits die Linie für die Dachkante aufgezeichnet. Als nächstes kommt die Vertikalachse des Hauses, auf der sich der Tor-Durchbruch befindet.

Nun zeichne ich mit dem Zirkel die Rundung des Durchbruchs auf.

Bevor ich anfange mit Hammer und Meißel zu arbeiten, fixiere ich noch alle Linien, damit die Bleistiftstriche nicht verwischen.

Dazu nehme ich ganz simples Haarspray. Es ist genau so gut wie Fixativ, aber billiger und vor allem, man kriegt es in jedem Supermarkt.

Wenn Ihr nicht glaubt, dass das funktioniert, besucht einfach mal die Entwufsklasse einer Steinmetz Meisterschule, wo die mannshohen Kohlezeichnungen mit Haarspray fixiert werden. Ich kann Euch versichern, dort riecht es, wie in einem Frisörsalon.

Wo das Haarspray noch frisch ist, ist der Stein übrigens dunkler und man erhält schon eine Ahnung von den braun goldenen Ton, den er später, nach dem Feinschliff, haben wird.

So, jetzt kann ich endlich mit Hammer und Meißel anfangen.

Bei Steinmetzen und Bildhauern heißt übrigens jeder Meißel "Eisen", auch wenn er üblicherweise aus Stahl oder Hartmetall besteht. Das Wort Meißel wird so gut wie nie verwendet.

 

Zunächst ziehe ich eine Linie entlang des Bleistiftstrichs und sichere so die Kanten des späteren Durchbruchs. Danach arbeite ich mich knapp 10 Zentimeter in den Stein.

Diesen Vorgang widerhole ich auf der anderen Seite.

Diesen Vorgang widerhole ich auf der anderen Seite.

 

Das ist wichtig, weil ich als nächsten Schritt mit der Bohrmaschine eine Reihe von Löchern im Bereich des Durchbruchs bohre. Den ganzen Durchbruch mit Fäustel und Eisen zu machen würde nämlich viel zu lange dauern.

Ich bohre von zwei Seiten, jeweils dort wo ich die Form des Portals schon ausgearbeitet habe, so dass sich die Bohrlöcher in der Mitte treffen.

Wenn ich einfach auf gut Glück nur von einer Seite bohren würde, bestünde die Gefahr, dass der Stein an der Oberfläche ausbricht, sobald die Bohrspitze austritt. In der Mitte des Steins passiert das nicht.

Das erste Licht scheint durch den Durchbruch.

Ein wenig kann ich noch mit der Bohrmaschine arbeiten, aber die Möglichkeiten dafür sind natürlich begrenzt.

Sobald die groben Arbeiten erledigt sind, ist sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt, und ab dann wird es auch zeitraubend.

Die feinen Arbeiten muss ich nämlich mit Feilen und kleinen Meißeln durchführen, auch bei einem vergleichbar weichen Stein wie dem Pietra di Palladio eine aufwendige Arbeit.

Hier kann man schon erkennen, wie der Durchbruch einmal aussehen wird. Allerdings braucht es noch einiges an feiner Nacharbeit.

Im Übrigen habe ich den Stein jetzt auf einen Arbeitstisch umgelagert. Auf dem Transportkarren kann man ihn nämlich nicht gut im Stehen bearbeiten und so hin- und herbewegen, wie das im aktuellen Arbeitsstadium notwendig ist.

Nun geht es an das Dach des Hauses. Ich habe die Dachschrägen angezeichnet und mit einem Sprenghammer (das Monsterding neben dem Fäustel) die Kanten abgeschlagen.

Dann sichere ich die Kanten indem ich sie mit einem feinen Flacheisen freilege.

Die erste Dachhälfte ist grob geformt. Natürlich muss alles noch fein geglättet und geschliffen werden, aber man bekommt schon eine Vorstellung davon, wie das Dach aussehen wird.

Das Schaukelhaus ist fertig. Die Rundung habe ich mit einer flexiblen Holzleiste angezeichnet und das überschüssige Material abgetragen (leider habe ich davon keine Bilder).

Jetzt schaukelt das Haus, trotz seines immer noch beträchtlichen Gewichts.

Ich habe auch alle Oberflächen fein geschliffen und imprägniert Die Skulptur kann an ihre zukünftigen Besitzer übergeben werden.

Im Hintergrund sieht man übrigens ein weiteres meiner beweglichen Häuser.

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