Ein Blick in den Dschungel meiner Gedanken

"Dschungel meiner Gedanken" war der Titel eines mehrteiligen Werkes bei meiner Ausstellung "Giardino delle Poesie - Garten der Poesie" in der Villa Aganoor Pomplij.

Seltsame steinerne Gewächse und rätselhafte Artefakte zu einem Kunstobjekt in einem alten Pavillion arrangiert.

Einer der Leitgedanken dieser Skulpturen war, dass sie nicht, wie gewöhnlich stehen oder auf einem Sockel platziert sind, sondern dass sie, an exotische Farne oder andere pittoreske Dschungelpflanzen erinnernd, irgendwo hängen und nach unten "wachsen".

Von einer meiner langjährigen Sammlerinnen, hatte ich den Auftrag, solch eine steinerne Pflanze für sie anzufertigen. Da sie allerdings keine Möglichkeit hatte, diese aufzuhängen, sollte sie auf einem langen Stiel, wie auf einem Pflanzenstengel schwingen.

Ich nehme diesen Auftrag zum Anlass, Ihnen einen Einblich in den Dschungel meiner künstlerischen Gedanken zu geben.

 

Als Material für die Skulptur wählte ich Ming Green, einen, wie der Name schon sagt, grünen, stark gemusterten Marmor aus China. Ein ideales Material wenn man die Idee von Dschungel und exotischen Pflanzen zum Leben erwecken will.

Ich hatte einen trapezförmigen flachen Steinblock zur Verfügung, aus dem ich zunächst eine grobe Blattform schnitt.

Im groben, unpolierten Zustand sieht man allerdings noch wenig von der späteren, glänzend grünen Farbe.

Bevor ich jetzt weitermache, muss ich auch noch das Loch für die Stange bohren, welche die steinerne Pflanze später tragen wird.

Wenn die Skulptur erst einmal fertig ist, ganz fein und hauchdünn, ist das Risiko dass sie beim Bohren zerbricht, und die ganze Arbeit umsonst war, nämlich viel zu groß.

Dabei muss ich darauf achten, dass die Ausrichtung präzise stimmt, und die Skulptur später genau im richtigen Winkel auf der Stange sitzt.

Hier sieht man bereits die Wölbung am "Blattrand".

Letztlich soll die Skulptur an dieser und vielen anderen Stellen hauchdünn werden. In der Mitte steht noch eine ganze Menge Material, welches im Lauf der Bearbeitung abgetragen werden muss.

Allerdings mache ich dies nicht nach Gutdünken. Vielmehr lege ich hier bereits die Struktur des Blattes/Gewächses an.

Jeder Schnitt wird so zur Suche nach der richtigen Form

 

Auf diesem Bild sieht man das gute Stück von der anderen Seite.

Die grobe Form auf beiden Seiten ist jetzt gemacht, mit vielen Zwischenschritten.

Dabei muss ich immer wieder kontrollieren, ob die Form auf beiden Seiten so übereinstimmt, wie ich mir das vorgestellt habe.

Vor allem da wo es Durchbrüche gibt, ist es wichtig, dass diese auf beiden Seiten stimmig sind.

 

Jetzt ist der Moment gekommen, an dem das Stück so fein geworden ist, dass ich es nicht mehr ohne Weiteres im Liegen bearbeiten kann.

Die Gefahr an unpassender Stelle durch den Stein zu schneiden, ist zu groß.

Die Rohskulptur kommt zum ersten Mal auf ihren Stab, und ich prüfe ob sie richtig ausgerichtet ist.

Um besser zu sehen, wo bereits Licht durchscheint, wasche ich sie ab.

Das Wasser spült den Staub ab und glättet optisch die feinen Unebenheiten, so dass ein ähnlich transparenter Effekt entsteht, wie nach dem Feinschliff und der abschließenden Politur..

Ich habe einige Stellen entdeckt, wo ich getrost noch etwas mehr vom Stein wegarbeiten kann.

Noch einmal kommt er flach auf den Tisch, weil er sich in dieser Position leichter bearbeiten lässt.

Jetzt ist es aber endgültig so weit: Ab jetzt bearbeite ich den Stein senkrecht stehend, so wie er später auch zu sehen sein wird.

In dieser Position kann ich permanent gegen das Licht prüfen, wo ich noch etwas wegnehmen kann, und wo ich dies besser bleiben lassen sollte. Das ist Milimeterarbeit, und ab hier beginnt der wirklich aufwendige Teil der Bearbeitung.

Mit "Schnell, Schnell!" kann man hier nichts mehr gewinnen, - die ruhige Hand ist gefragt.

Um den Stein präzise bearbeiten zu können, habe ich mir einen Arbeitssockel vorbereitet.

Der pflanzenstengelähnliche Stab auf dem die Skulptur später wie das sprichwörtliche Rohr im Wind schwingen wird, ist dafür naturgemäß nicht geeignet.

Er schwingt einfach weg, sobald er berührt wird. Kontrolliertes Arbeiten ist da nicht möglich.

Der schwere steinerne Sockel gibt dagegen kein bißchen nach, und das ist auch gut so.

 

So, das wars für  heute. Über den Rest der Bearbeitung berichte ich, sobald die Skulptur fertig ist.

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