Lebenslauf Wolfgang Sandt

  • Geboren 1960 in München
  • 1979 - 1981 FOS Gestaltung München
  • 1982 - 1985 Steinmetz- und Steinbildhauerlehre
  • 1985 - 1993 Zusammenarbeit mit verschiedenen Bildhauern, vornehmlich Arbeiten im öffentlichen Raum und im sakralen Bereich
  • 1987 – 2001 Erschaffung und Aufstellung des Mahnmals für das Außenlager Ottobrunn des KZ Dachau
    (Lesenwertes zum Mahnmal und ein Video weiter unten auf dieser Seite)
  • 1993 - 1995 Meisterschule für Steinmetzen und Steinbildhauer München
  • Seit 1995 Steinmetz- und Steinbildhauermeister
  • 1998 Ankauf der Skulptur „Srebrenica“ durch die Gemeinde Haar bei München
  • Lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in München und Passignano sul Trasimeno (Italien)

Ein wichtiger Teil meiner Biographie. Das Mahnmal für das KZ-Außenlager Ottobrunn

Das Mahnmal für das KZ-Außenlager Ottobrunn war ein wichtiger Teil meines künstlerischen Werdegangs und ist bis heute wohl die meiner Arbeiten, die am meisten bewegt hat.

1982 wurde von einer Gruppe der evangelischen Jugend in Ottobrunn die weitgehend vergessene, beziehungsweise verdrängte Existenz des Außenlagers Ottobrunn wieder ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gerufen.

Damals hatte ich gerade die FOS für Gestaltung abgeschlossen und mit meiner Steinmetz- und Steinbildhauerlehre angefangen. Ich hatte bereits eine Idee für ein Mahnmal, war mir aber der Tatsache bewusst, dass meine Fähigkeiten noch nicht ausreichten, um diese Idee auch umzusetzen.

Mitte der 80ger Jahre war es dann soweit. Ich wusste, wie man Stein bearbeitet, machte einen Entwurf und stellte diesen der evangelischen Jugend und der Gruppe zur Errichtung eines Mahnmals vor, die sich kurz darauf gründete.

Es sollte bis 2001 dauern, bis das Mahnmal schließlich, nach langen Auseinandersetzungen, an einer gut sichtbaren Stelle in der Mitte Ottobrunns aufgestellt wurde.

Auf dieser Seite werde ich nach und nach alle mir zugänglichen Informationen zur Geschichte des Mahnmals veröffentlichen.

Hier ein Video, welches ich von dem Mahnmal gemacht habe.

Facharbeiten über das Außenlager des KZ Dachau in Ottobrunn

von Martin Wolf, Birgit Schrötter und Jürgen Bauer

Vorwort

Facharbeiten sollen die Studierfähigkeit eines Abiturienten unter Beweis stellen. Laut eines Merkblatts des Kultusministeriums muß er dafür bestimmte Recherchetechniken beherrschen, die er in der Kollegstufe des Gymnasiums lernt: Er muß fachbezogene Denkweisen und Arbeitsformen anwenden, sich die nötige Literatur und das Quellenmaterial beschaffen und den Stoff sinnvoll gliedern. In der Regel stellt der Schüler dabei kein eigenes Material zusammen, sondern referiert, vergleicht und kommentiert die Ergebnisse anderer wissenschaftlicher Arbeiten.
Weit über solche Anforderungen hinaus gehen die drei Facharbeiten, die in diesem Buch zusammengestellt sind. Die Kollegiaten Martin Wolf, Birgit Schrötter und Jürgen Bauer betraten ein geschichtliches Gebiet, zu dem es keine Fachliteratur gibt. Sie analysierten Quellen, Zeugenaussagen, Umfragen und Karten, die ihnen oft erst nach langwieriger Recherche zur Verfügung standen.
Es ist selten, daß Schüler die Geschichte ihrer eigenen Heimat untersuchen wollen. Die drei Kollegiaten des Ottobrunner Abiturjahrgangs 1995 haben nachgeforscht, welche Spuren die Weltgeschichte in ihrem allernächsten Umfeld hinterlassen hat. Sie haben sich dieses Wissen mit viel Engagement und Sachverstand erarbeitet.

Das vorliegende Buch – eine von dem Mitabiturienten Stefan Plöchinger überarbeitete Version – zeigt der Öffentlichkeit, daß die Arbeiten durchaus von allgemeinem Interesse sind.
Elisabeth Plank
Kursleiterin des LK Sozialkunde/Geschichte 1993/95

KZ Ottobrunn

“Euch alle, die Ihr Unrecht erlitten habt bitten wir, vergebt” – So steht es auf dem 2 Meter hohen Gedenkstein an der Ottobrunner Schule I an der Friedensstrasse. Wer diejenigen sind, die Unrecht erlitten, wird leider nicht genauer erläutert – obwohl es eigentlich einen wirklich guten Grund gibt, um ihre Vergebung zu bitten: Das ehemalige KZ-Aussenlager Ottobrunn. Schon im Jahr 1995 haben sich Schüler des Ottobrunner Gymnasiums im Rahmen ihrer Facharbeiten im Fach Sozialkunde/Geschichte mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ihrer Gemeinde beschäftigt und damit genau den Zeitpunkt einer verstärkten Diskussion um ein KZ-Mahnmal getroffen. Heute, Jahre später ist von einem Mahnmal immer noch nichts zu sehen – Grund genug für Euch!!, der Sache noch einmal auf den Grund zu gehen.

Das KZ-Aussenlager Ottobrunn Der Besuch der Konzentrationslager-Gedenkstätte Dachau ist ein Pflichtpunkt der Schullaufbahn der meisten Schüler aus München und Umgebung. Relativ wenigen Besuchern des Lagers fällt jedoch auf, dass auf der Liste der Aussenlager des Lagers Dachau auch der Name einer kleinen Gemeinde im Südosten von München steht: Ottobrunn. Mitten im Wald, südöstlich der Rosenheimer Landstraße, ziemlich genau dort, wo sich heute die Wohnhäuser an der Zeisigstrasse befinden, wurde 1944 das Aussenlager eröffnet. Die durchschnittlich vierhundert Gefangenen wurden als Arbeitskräfte für den Bau einer Testanlage des Reichluftfahrtministeriums eingesetzt, das auf dem heutigen Gelände des Sportparks am Haidgraben lag; es handelte sich beim Ottobrunner Lager also um ein Arbeits- und nicht um ein Vernichtungslager.
Die Häftlinge, die täglich zwischen neun und elf Stunden schwer körperlich arbeiten mussten, waren in einfachen Holzbaracken untergebracht und wurden – für KZ-Verhältnisse – gut versorgt, was auch darauf zurückzuführen ist, daß das Lager ursprünglich als Wohnlager für zivile Arbeiter geplant gewesen war. Obwohl die Quellenlage lückenhaft ist, kann davon ausgegangen werden, dass die SS-Wachen im Lager, wohl weil es sich um ein ziemlich kleines Aussenlager handelte, relativ menschlich mit den Gefangenen umgingen. Teilweise wird aber auch von Mißhandlungen und Gewaltanwendung berichtet und es ist mindestens ein Häftling im KZ Ottobrunn umgekommen.
Lagerstrafen wie “gymnastische Übungen” oder Prügelstrafen wurden schon zu nichtigsten Anlässen verhängt, auch, um den Widerstandswillen der Häftlinge zu brechen. Das Lager in Ottobrunn wurde – ohne das sein eigentlicher Zweck, die Fertigstellung der Testanlage des Luftfahrtministeriums erreicht worden wäre – am 1. Mai 1945 evakuiert. Die SS-Leute setzten sich auf dem Evakuationsmarsch ab und die Gefangenen wurden nach einigen Tagen vom amerikanischen Militär befreit.

Das Mahnmal Bereits 1988 wurde die “Mahnmahlinitiative Ottobrunn” gegründet, die sich um die Erstellung eines Mahnmals zum KZ-Aussenlager Ottobrunn bemühte. Obwohl der Riemerlinger Bildhauer Wolfgang Sandt ein steinernes Mahnmal entwarf und es auch fertigstellte, wurde für seine Skulptur kein Aufstellungsplatz gefunden.
Nach einer langanhaltenden öffentlichen Diskussion und ebensolangen politischen Uneinigkeiten im Gemeinderat Ottobrunns einigte man sich schliesslich am 22.2.1992 darauf, an dem bereits erwähnten alten Denkmal in der Friedensstrasse eine zusätzliche Informationstafel zum Konzentrationslager anzubringen. Der gravierte Text sollte vom Kulturausschuß erarbeitet werden. Warum bis heute, fast 9 Jahre nach dem Gemeinderatsbeschluss, noch keine Tafel angebracht wurde ist unklar. Unser Ansprechpartner bei der Gemeinde meinte lediglich, daß man hier keine böse Absicht vermuten solle, sondern daß man sich wohl auf keinen geeigneten Text einigen konnte. Selbst wenn man den Verantwortlichen keine böse Absicht unterstellt – ein Armutszeugnis ist dieser Mangel an Vergangenheitsaufarbeitung allemal.
Weitere Informationen zum Thema: 1996 erschien das Buch “Vergessen? Verdrängt? Verarbeitet?” Hrsg. Stefan Plöchinger, das in der Ottobrunner Gemeindebücherei einzusehen sein sollte. Es enthält 2 Facharbeiten zur Vergangenheit Ottobrunns in der Nazizeit und zur Mahnmaldiskussion.

Andreas Blüml